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Structure follows Strategy – Das 7-S-Modell

Ein großer Teil von Strategien wird in der Praxis nicht oder nicht erfolgreich umgesetzt. Häufig scheitert die Umsetzung an weichen Faktoren, die bei der Strategieentwicklung nicht zureichend berücksichtigt wurden. Auch heute wird in den meisten Unternehmen immer noch auf harte Faktoren gesetzt. Dabei wird kritisiert, dass weiche Faktoren nicht rational erfasst und gemessen werden können.

Die Bedingungen für erfolgreiche Unternehmensführung haben sich durch wachsende Dynamik und Komplexität der Umwelt stark verändert. Wir kommen zunehmend von einer technokratischen, auf rationalen Methoden/Instrumenten basierenden, zu einer humanistisch oder sozio-ökonomisch geprägten Unternehmensführung, die neben harten auch weiche Faktoren berücksichtigt.

7-S-Modell - Structure follows Strategy

Das 7-S-Modell

Bereits Anfang der 80er Jahre wurde ein bekanntes Modell entwickelt, was sowohl die harten als auch die weichen Führungselemente berücksichtigt. Das 7-S-System stammt von zwei McKinsey Beratern (Peters/Waterman) – als Erweiterung/Korrektur des immer noch sehr verbreiten Grundsatzes „Structure follows Strategy“ (Chandler, 1962). Ausgangspunkt war die These, dass die harten Faktoren wie Struktur und Strategie allein nicht ausreichen, den Erfolg von Unternehmen zu erklären. Das 7-S-System sollte einen ganzheitlichen Ansatz zur Erklärung von Spitzenleistungen eines Unternehmens bieten und somit erklären, worauf es wirklich ankommt in der Strategieentwicklung. Das Modell wurde anhand einer Analyse von knapp 200 erfolgreichen Unternehmen hergeleitet.

In dem 7-S-System werden die harten Faktoren Strategie (Strategy), Struktur (Structure) und Systeme (Systems) um die weichen Faktoren Stil (Style), Stammbelegschaft (Staff), Spezialkenntnisse (Skills) und Selbstverständnis (Shared Values) ergänzt. Diese Faktoren sind interdependent, d.h. die Veränderung eines Faktors beeinflusst auch andere Elemente. Das Selbstverständnis dient als Bindeglied zwischen allen Faktoren. Es umfasst die Kultur des Unternehmens.

Herangehensweise

Die sieben Faktoren können in Form eines Fragebogens bewertet werden, der von Mitarbeitern aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen beantwortet wird. Das Modell kann in vier Schritten umgesetzt werden:

  1. Überblick über das Unternehmen

Informationen aus Geschäftsberichten, Branchenanalysen, Organigrammen, Strategieunterlagen, etc. werden zusammengetragen und mit der Geschäftsführung diskutiert.

  1. Fragebogenentwicklung und Befragung

Bei der Formulierung der Fragen wird nicht nur der jeweilige Faktor erfasst, sondern auch das Zusammenwirken mit anderen Faktoren.

  1. Auswertung und Ableiten der Beziehungen zwischen den Faktoren

Im Austausch mit der Geschäftsführung werden die Ergebnisse herausgearbeitet. Es wird untersucht, ob eine Übereinstimmung zwischen den Faktoren und mit der Umwelt besteht. So wird definiert, wo Handlungsbedarf besteht.

  1. Entwicklung von Veränderungsprojekten

Basierend auf den Auswertungsergebnissen können nun Programme/Projekte definiert werden, mit denen spezifische Schwächen beseitigt werden können.

Das 7-S-System in der Praxis

Bevor man Ziele festlegt und Strategien erarbeitet, um diese zu erreichen, sollte man bisher verfolgte Strategien und die Erfolge der daraus resultierenden Programme beurteilen. Aus den Erfolgen und Fehlern vergangener Projekte kann man viel lernen. Man wird feststellen, dass der Erfolg von Strategien und Programmen nicht immer nur von harten Faktoren abhängt. Die Bewertung der reinen Geschäftsaktivitäten reicht entsprechend nicht aus, um herauszufinden, wie die Leistungsfähigkeit des Unternehmens gesteigert werden kann.

Das 7-S-System hilft dabei, systematisch und umfassend zu untersuchen, welche Faktoren für die Strategieentwicklung entscheidend sind. Es bietet eine gute Checkliste zur Analyse der Ausgangssituation des Unternehmens und sollte daher bei strategischen Projekten immer im Hinterkopf behalten werden.

Das System ist für kleinere Projekte sicher zu umfangreich. Es ist auch nicht unbedingt erforderlich, alle Schritte durchzuführen. Vielmehr kann das System als wichtiger Reminder gesehen werden, der daran erinnert, dass „Structure follows Strategy“ nur ein Teil erfolgreicher Unternehmensentwicklung ist. Wenn man auch die weichen Faktoren berücksichtigt, ist die erfolgreiche Umsetzung von Strategien oder Projekten deutlich wahrscheinlicher.

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